Bewerbung für das Fach Modedesign: die Mappe

Eine Mappe mit künstlerischen Arbeiten ist eine wichtige Voraussetzung, um von einer Modeschule aufgenommen zu werden. Hier einige Gesichtspunkte, nach denen Dozenten Mappen beurteilen. Und ein paar konkrete Tipps.

Solche Fragen stellen sich Dozenten vor deiner Mappe:

● Beschäftigst Du dich gern mit Kleidung?
(oder nur mit der aktuellen Mode?)
● Kannst Du zeichnen?
(oder nur abpausen?)
● Hast Du ein Gespür für Farbe?
(oder nur drei Lieblingsfarben?)
● Hast Du Gefühl für den menschlichen Körper?
(oder sind Menschen für dich nur Kleiderpuppen?)
● Hast Du eine Antenne für Trends und Strömungen?
(oder nur für den Hype?)
● Kann man dir was beibringen?
(oder glaubst du, schon alles zu können?)

Modedesign Mappe BeispieleModeschulen suchen Studenten mit gestalterischer Begabung. Vorher ausgesiebt werden sollen fachlich Unbegabte – und Studenten, die in ihrer Art zu festgelegt, zu “fertig” sind. In deiner Mappe muß nichts perfekt sein. Die Techniken lernst du ja im Studium. Die Prüfer möchten nur sehen, dass du ein starkes Interesse an diesen Themen mitbringst. Und viele Ideen.

Manche Schulen erwarten vor allem Zeichnungen, andere auch Fotografien. Frag an der Schule deiner Wahl nach, oder geh dort zur Mappenberatung. Dann nimm dir ausreichend Zeit für die Mappen-Erstellung, und besuche dabei vielleicht noch einen Zeichenkurs. Ein bisschen ist das Urteil über Deine Mappe auch Geschmackssache. Also nicht gleich aufgeben, wenn es an der ersten Schule nicht klappt.

Ein paar konkrete Tipps:

Kleidung

Der vielleicht wichtigste Tipp zuerst: selbstentworfene Mode (als Foto oder als Illustration) muss nicht in deiner Mappe sein. Die Gefahr besteht, dass Dozenten die Schwächen in deinen Entwürfen sehen (das ist schließlich ihr Beruf) und dich unter “eher unbegabt” oder “zu fertig” einordnen. Schließlich sollst du ja im Studium erst lernen, Mode zu entwerfen.

Ich persönlich finde zwar solche Arbeiten gerade wegen ihrer Aussagekraft sehr erhellend. Trotzdem, besser ist es oft, Deine Auseinandersetzung mit Kleidung zu dokumentieren. Du kannst zum Beispiel Zeichnungen (oder Fotos) von interessanten Details, Verarbeitungen, Schmucktechniken unter einem Thema zusammenstellen.

Und du kannst in Collagen Elemente neu kombinieren. Schneide z.B. aus Zeitschriften mehrere Kleidungsstücke aus, und setze daraus phantasievoll neue Kleidung zusammen. Vor dem Studium kann man an solchen Arbeiten dein Verhältnis zu Bekleidung oft besser erkennen als an selbstentworfener Mode.

Zeichnen

Dabei geht es nicht um Technik und nicht um ‘schöne’ Bilder. Sondern darum, starke Ideen so zu Papier zu bringen, dass man sie erkennt. Sinnvolle Motive: abstrakte Kompositionen, Kleidung, auch in Details, Menschen, Stimmungsbilder. Aber (räusper) keine Pferde!

Benutze verschiedene traditionelle Medien. Selbst angemischte Gouachefarben, verlaufsreiche Aquarelle, schwungvolle Kohle-Zeichnungen (fixieren!), detailgenaue Bleistift-Zeichnungen. Auch die ein- oder andere Copic-Zeichnung schadet nicht.

Farbe

Da bieten sich gemalte Bilder an, die nur Farbklänge zeigen. Schreib dazu, welches Thema dieser Farbklang für dich verkörpert. Eventuell kannst du auf einem weiteren Blatt farblich entsprechende, kleine Stoffquadrate aufkleben (das nennt man Stoffkarte).

Gern gesehen sind auch Arbeiten, die Deine farb-analytischen Fähigkeiten belegen. Nimm ein Foto, dessen Farben dir gefallen, und arbeite die wichtigsten Farben in Flächen nach.

Körper

Der Dreh- und Angelpunkt aller Mode ist der menschliche Körper. Deshalb sollte Deine Mappe Zeichnungen von Menschen enthalten. Am besten zeichnest du reale Menschen ab, die entspannt irgendwo sitzen, liegen oder stehen. Sie müssen nicht völlig unbekleidet sein, aber man sollte möglichst viel vom Körper sehen. Wichtig sind an deiner Zeichnung die Proportionen, also das Verhältnis der Körperteile zueinander.

(Manga-Figuren sind eine spezielle Abstraktion des menschlichen Körpers, die westlichen Modefigurinen oft sehr ähnelt. Eine Manga-Figur ist aber keine Zeichnung des menschlichen Körpers.)

Trend

Kannst du einen aktuellen Modetrend in einer Collage darstellen? Kannst du das auch mit einem Trend, der schon vorbei ist? Entdeckst du in der Mode von heute Elemente, die es schon mal gab? Auch ein bisschen Mode-Blogging ist schön. Wenn Mode-Blogging deine Haupt-Leidenschaft ist, solltest du aber eher Fotografie studieren.

Präsentation

Mode muss präsentiert werden. Das ist ein wichtiger Bestandteil des ganzen Geschäfts. Das Gleiche gilt für deine Mappe. Wenn hunderte Mappen da liegen, fliegen schlampige, lieblose, schmutzige Mappen sehr schnell raus. Alle Details der Mappe müssen so von dir gewollt sein. Und alles muss sich selbst erklären. Das Äußere deiner Mappe darf nicht wichtiger daherkommen als der Inhalt.

Mappen werden unter Zeitdruck angesehen (Professoren haben echt viel zu tun!). Lass deshalb alles weg, was das Anschauen kompliziert macht. Montiere alles auf gleich große Blätter. Schreib bei jeder Arbeit dazu, was dein Thema war. Du darfst gern chaotisch sein – wenn du dein Chaos sauber präsentierst.

Zum Schluss

Böse Zungen behaupten, in der Mappe müsstest du vor allem den Anschein erwecken, frisch und formbar zu sein. Da ist was dran. Letztendlich wichtiger sind aber Talent und Begeisterung. Die brauchst du. Unbedingt. Modedesign studieren ist wirklich schön. Aber es ist ein hartes, intensives, zeitraubendes Studium!

» Studienorte für Modedesign in Deutschland

» Berufsbild Modedesigner/in auf wissen.de
» Spiegel Online beschreibt realistisch das Studium

Kommentare:


  1. Wow, das würde ich mir immer wieder reinziehen, ist cool

  2. Pingback: Modedesign studieren ist bei Jugendlichen sehr beliebt | RSS Verzeichnis

  3. Greta sagt:

    sehr sehr sehr gut! wirklich schön.
    ich danke dir vielmals ;P
    ich hätte da noch eine kleine frage, wird es auch geschätzt wenn man beispielsweise fotografien mit in die mappe hineinnimmt? beispielsweise mit photoshop etc. beartbeitet?

    • Bernhard sagt:

      Gut ist, wenn du zeigst, daß du mit Photoshop kreativ sein kannst. Also ein Bild mehr Richtung Mode-Entwurf trimmen. Nicht gut ist, wenn du Fotos aufhübschst, oder Beauty-Retusche machst. Das ist zwar komplexe Arbeit, gehört aber in den Studiengang Illustration. Ganz schlecht ist das Benutzen von Photoshop-Filtern.

  4. Merve sagt:

    Danke für die tipps :D doch ich hätte da noch eine frage^^ welches papierformat ist für die schulen am besten geeignet A4 oder A3?
    Danke schon mal im voraus :)

    • markus65 sagt:

      je grösser je besser